Mittwoch, 11. November 2009

.// Fakt 1: Es passiert...


Dann will ich mal mit einer Platitüde eröffnen: Das Leben ist eine gottverdammt beschissene Achterbahn.
Weiß eigentlich jeder - und trotzdem schreien immer alle, wenn's bergab und erwarten Gottweißwas wenn's wieder nach oben geht. Dabei ist es eigentlich stets dasselbe, es kann gar nicht anders sein in einer Welt, in der Komperative eine blöde Ausrede sind: Die Dinge sind, wie sie sind - nicht gut, nicht schlecht und demzufolge schon mal gar nicht "besser" oder "schlechter". Alles eine Frage der Perspektive... kann ja jeder Arsch behaupten, der noch in der Warteschlange steht.

Ich hoffe, am Ende meines Lebens wird es mir dann genauso ergehen wie nach dem verschissenen Eurostar - ich war froh, dass ich's mal gemacht hab, würde es aber nie wieder tun. Natürlich bin ich unfreiwillig dann doch noch mal mitgefahren, wegen Gruppenzwang und so. Da isser ja wieder, der Hund, der!

Menschen, die sich derweil über meine Ausdrucksweise wundern möchten, sollen darauf hingewiesen werden, dass ich gerade mitten aus einem Loch im Raum-Zeit-Kontinuum auf dem zehn Meter nach dem Scheitelpunkt liegenden Punkt kurz vor einer Würgreiz verursachenden Talfahrt blogge.
Das "Oh f..." noch auf den Lippen bleibt mir die Luft weg und gerade als ich denke, es kann ja nicht noch schlimmer kommen, passiert's und ich hyperventiliere. Gleich. Jetzt. Schon wieder. Oh f....

Mein innerer Therapeut wird sich gleich zu Wort melden und mir erörtern, dass ich diese Situation selbst hergestellt habe. Jaja, ich geb's zu, ich bin dieses Mal freiwillig eingestiegen, hab mit meinem eigenen Geld bezahlt und freu mich schon auf die Kamera, wegen des Erinnerungsfotos.

Es muss wohl sein, denn anscheinend wollte ich es ja so. Trotz Höhenangst. Nee, Stop, warte mal... Ich hab bis gestern auch Auberginen gehasst und finde die heute oberlecker! Kann ja jeder mal seine Meinung ändern. Kann ich jetzt also bitte mein Geld zurückhaben???

Fazit: Sehr unzufrieden mit der Gesamtsituation
UND SCHLECHT IS' MIR AUCH, VERDAMMT!!


Jetzt aber mal im Ernst: Ich beschwere mich über Trivialitäten. Ein Leben führt man nicht so einfach, es passiert viel mehr. Für jeden auf andere Weise, mit unterschiedlicher Intensität, Geschwindigkeit und den entsprechenden Höhen und Tiefen. Das ist so und daran ist nicht besonders viel zu drehen, es sei denn, man will unter die Konstrukteure gehen (und da ist die Bewerber- Warteliste ziemlich lang). Ob's die Fahrt wert war, weiß man aber trotzdem erst hinterher.

Es ist mittlerweile schon wieder fast eine ganze Nacht her, dass die Nachricht von Nationalspieler Robert Enkes Tod das erste Mal in den Medien auftauchte. Berichten zufolge beging er Selbstmord - und das vermutlich aus einer Situation heraus, in der das Auf und Ab des Lebens vielleicht tragische Ausmaße angenommen hatte, der Druck übergroß geworden war oder der Sinn nicht gefunden werden konnte. Es ist traurig, soetwas zu lesen. Oft sagt man so Sachen wie "Haltet die Welt an, ich will aussteigen", aber wenn es dann jemand tatsächlich tut, sind alle fassungslos. Ich habe von meiner Managerin und Freundin einiges zu seiner Person erfahren und denke heute abend an seine Familie, seine Freunde, Kollegen und all die Menschen, die in seinem Leben eine Rolle gespielt haben oder nur Zuschauer waren. Ich hoffe, dass jeder von ihnen den Trost finden kann, den er braucht. Seiner Seele wünsche ich den Frieden, nach dem er sich wohl so sehr gesehnt hatte, dass es so drastische Maßnahmen erforderte. Er war 32 und hinterlässt eine Ehefrau, sowie eine achtmonatige Adoptivtochter.

R.I.P.

Und wo auch immer ihr gerade seid: Es passiert. Jetzt.

x Li

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